Gute Texte allein reichen nicht für Seite 1 bei Google. Wie Ihre Inhalte strukturiert sind, entscheidet mit darüber, ob Suchmaschinen Ihre Website als Spezialist für ein Thema einordnen. Website Siloing – die gezielte thematische Gliederung Ihrer Seite – ist dabei ein unterschätzter Hebel. Dieser Artikel von Nam-Kha Pham zeigt Schritt für Schritt, wie physikalisches und virtuelles Siloing funktioniert – mit konkreten Beispielen für Handwerksbetriebe und Dienstleister am Niederrhein.
Das Grundprinzip beim Siloing
Im Internet gibt es viele unterschiedliche Erklärungsversuche für das Siloing. Die mit Abstand einfachste und verständlichste Darstellung gibt es bei Bruce Clay, der das Ganze mit Hilfe eines Marmeladenglases visualisiert.
Stellen Sie sich vor, dass Sie ein großes Marmeladenglas mit roten, gelben und blauen Murmeln haben. Nun werden Sie gebeten aus dem Glas insgesamt drei rote, vier gelbe und zwei blaue Kugeln zu entnehmen. Da die verschiedenen Murmeln durcheinander im Glas liegen, müssen Sie zwangsweise wühlen.
Deutlich schneller würde es gehen, wenn Sie die verschiedenen Farben in separaten Gläsern aufbewahren. Durch die klare Trennung müssen Sie jetzt nur die benötigte Menge aus den drei verschiedenen Behältern entnehmen. Und genau diese Ordnung mögen Suchmaschinen, denn es erleichtert Ihnen das Finden und Einordnen der Inhalte.
Mit Themen-Silos Struktur aufbauen
Warum wird dieser Ansatz der Strukturierung von Inhalten aber als „Siloing“ bezeichnet? Die einfachste aber nicht ganz ernstgemeinte Erklärung lautet: Würden Sie eine so wichtige SEO-Maßnahme als „Marmeladenglas“-Konzept (engl. „Jar of Jam“) bezeichnen? Wohl kaum.
Deutlich passender ist der Vergleich mit einem bzw. mehreren Silos. Wikipedia beschreibt ein Silo als Speicher für Schüttgüter wie beispielsweise Zement, Kalksteinmehl, Kunststoffgranulat, Getreide oder Futtermitteln. Eine Webseite ist analog dazu nichts anderes als ein großer Speicher für digitale Inhalte jeglicher Art. Würden die Seiten und Bilder durcheinander auf der Seite vorliegen, dann wäre es für den Besucher deutlich schwieriger den passenden Inhalt zu finden. Je größer die Seite, desto wichtiger also die Strukturierung der Inhalte.
Ein gutes Beispiel ist Focus Online mit über 950.000 URLs und 3.7 Mio. indexierten Seiten. Ohne eine gute Struktur wären Besucher und die Google Crawler bei der Suche nach relevanten Inhalten überfordert. Werden die Inhalte dagegen virtuell und/oder physikalisch strukturiert, lassen sich User gut durch die Themenwelten navigieren. Schließlich möchte jemand, der sich gerade über die Vor- und Nachteile eine Grippeimpfung informiert, nicht plötzlich auf einer Seite mit den neusten Windows 10 Updates widerfinden.
Google bevorzugt Spezialisten
Mit dem Siloing lassen sich auf Webseiten also Themen-Schwerpunkte darstellen. Google und die anderen Suchmaschinen haben das Ziel für den Suchende die besten Ergebnisse zu präsentieren und bevorzugen daher in der Regel Spezialisten.
Ein einfaches Beispiel: Wer einen gebrauchten Ford Mustang GT sucht, wird auf der Seite eines Ford-Autohändlers mit Gebrauchtwagenbörse und Spezialisierung auf leistungsstarke Sportwagen eher einen Treffer landen als bei einem großen VW-Autohaus mit einem markenunspezifischen Gebrauchtwagenbereich. Der Ford-Händler hat in dem Fall für die Suchmaschinen die höhere Relevanz und erhält die größere Gewichtung auf den Suchergebnisseiten.
Dasselbe Prinzip gilt für einen Metallbetrieb am Niederrhein: Wer Laserschneiden, CNC-Fräsen und Schweißen auf einer unstrukturierten Seite vermischt, signalisiert Google keine Spezialisierung. Wer dagegen für jede Leistung ein eigenes Themensilo aufbaut – inklusive Materialseiten, Anwendungsbeispielen und FAQ – steigert die Relevanz für genau diese Suchanfragen. Das Siloing macht aus einem Allrounder einen digitalen Spezialisten.
Physikalisches Siloing auf der Webseite
Für das Siloing auf einer Webseite gibt es zwei Ansätze, die miteinander kombiniert werden. Wir empfehlen im Vorfeld ein Keyword-Analyse zu erstellen, um die relevanten Suchbegriffe für Ihre Themengebiete und deren Chancen zu ermitteln. Beim physikalischen Siloing werden für die Hauptthemen, für die dazugehörigen Unterthemen und Inhaltsseiten entsprechend Verzeichnisse erstellt und darin die HTML-Seiten abgelegt.
Im oben genannten Beispiel könnte die Seite wie folgt lauten:
www.autohaus-xyu.de/sportwagen
www.autohaus-xyu.de/sportwagen/ford
www.autohaus-xyu.de/sportwagen/ford/mustang-gt
Bei Content Management Systemen wie WordPress, Drupal oder Typo3 funktioniert das ganze ein wenig anders. CMS sind in der Regel Datenbankbasiert und generieren die Inhalte der Seite durch das Abrufen der Informationen aus der Datenbank. Die erstellten Seiten, Kategorien und Beiträge erhalten in der Grundeinstellung eine vorlaufende ID und können über die ID angesprochen werden. Um ein Siloing zu ermöglichen kommen bei CMS sogenannte Permalinks bzw. sprechende URLs zum Einsatz. D.h. die URLs mit den IDs werden nach einem bestimmten Schema in lesbare URLs umgewandelt. Bei WordPress können Sie beispielsweise den Titel des Beitrages, der Seite oder die Kategorie für die automatische Generierung der Permalinks nutzen.
Hierarchische Anordnung der Seiten
Beim Siloing kommt es auf die Anordnung der Seiten an. Alle Inhalte in einem Themengebiet sollten hierarchisch angeordnet werden. Die Haupt- und damit wichtigsten Themen der Seite bilden die Kategorien einer Webseite, die im besten Fall auf allen Seiten erreichbar sein sollten. Auf den meisten Webseiten werden die Kategorien daher in der Haupt-Navigation angelegt und sind damit von jeder Seite aus erreichbar.
Bei größeren Themen können Sie auch Unterkategorien bilden, um den Besucher einen besseren Überblick zu geben. Wichtig: Die Unterkategorien müssen der Hauptkategorie zugeordnet werden, damit Sie in der URL-Struktur hinter den Hauptkategorien angezeigt werden.
www.domain-xyz.de/hauptkategorie/unterkategorie/
Die Beiträge in der Kategorie bzw. in der Unterkategorien folgen der hierarchischen Struktur und werden dahinter gesetzt.
www.domain-xyz.de/hauptkategorie/unterkategorie/beitrag
Optimale Klicktiefe beachten
In der Theorie können Sie den Unterkategorien ebenfalls weitere Unterkategorien zuordnen und das gleich mehrfach. Mit jeder weiteren Unterkategorie erhöhen Sie jedoch die Klicktiefe der Seite, sodass Inhalte teilweise erst nach vier, fünf oder mehr Klicks erreicht werden. Und genau hier liegt das Problem. Für Google und andere Suchmaschinen spielt die Klicktiefe eine wichtigere Rolle als die URL-Struktur. Je schneller ein User zu den relevanten Inhalten kommt, desto besser bewerten Suchmaschinen die Seite. Daher wären Inhalte auf der obersten Ebene und damit mit nur einem Klick erreichbar ideal, was aber der Übersichtlichkeit wiederspricht. Die Lösung besteht also in einem Kompromiss: Arbeiten Sie idealerweise mit Hauptkategorien und nur einer Unterkategorie.
Virtuelles Siloing
Beim virtuellen Siloing nutzen Sie die interne Verlinkung, um Suchmaschinen die Themen-Cluster Ihrer Website zu signalisieren. Crawler folgen ausgehend von einer beliebigen Seite allen Links, die sie finden. Mit gezielt gesetzten internen Links steuern Sie die Indexierung – und damit die Relevanz einzelner Seiten. Ein Metallbetrieb in Viersen könnte z. B. von jeder Leistungsseite (Laserschneiden, CNC-Fräsen, Schweißen) auf die übergeordnete Kategorie ‚Metallbearbeitung‘ verlinken und innerhalb der Kategorie alle Leistungsseiten gegenseitig verbinden. Dabei sollten Sie wie folgt vorgehen bzw. folgenden Verlinkung ist möglich.
Verlinkung nach unten
- Verlinken Sie von der Startseite auf die Hauptkategorien
- Verlinken Sie von einer Hauptkategorie zur den passenden Unterkategorien
- erlinken Sie von der Unterkategorien auf alle passenden Seiten
Verlinkung auf der gleichen Ebene
- Verlinken Sie alle inhaltlich passenden Seiten innerhalb einer Haupt- oder Unterkategorie miteinander
- Vermeiden Sie Verlinkungen zwischen Seiten in unterschiedlichen Haupt- und Unterkategorien
- Vermeiden Sie Verlinkungen zwischen Unterkategorien, die nicht zur gleichen Hauptkategorie gehören
Verlinkung nach oben
- Verlinken Sie Seiten mit der darüberliegenden Unterkategorie und der Hauptkategorie
- Verlinken Sie Seiten in der letzten Ebene mit beliebigen Hauptkategorien.
Physikalisches und virtuelles Siloing kombinieren
Mit einer strukturierten internen Verlinkung zeigen Sie Suchmaschinen, welche Themen auf Ihrer Website zusammengehören. Ideal ist die Kombination: sprechende URLs bilden die Struktur ab, interne Links verstärken die Relevanz der einzelnen Seiten. Für KMU am Niederrhein ist Siloing besonders lohnend: Viele Mitbewerber legen ihre Inhalte noch unstrukturiert ab – der Vorsprung durch saubere Themencluster ist daher oft schneller erreichbar als durch reine Textoptimierung. Sie möchten wissen, wie Ihre Website aktuell aufgestellt ist? Tripleconcept analysiert Ihre Seitenstruktur im kostenlosen SEO-Quick-Check.